Hallo liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zu unserem letzten Tag im Wald!
Gestern ging es wieder hinunter nach Bombuscaro. Eigentlich hatten wir dort ja schon alle Arbeit erledigt, aber ein paar unvorhergesehene Zusatzaufgaben (hauptsächlich Streu sammeln) verschafften uns nun das Vergnügen eines weiteren Waldtages.
Da die Arbeit maximal eine halbe Stunde in Anspruch nehmen würde, hatten wir schon vorher beschlossen, diesen Tag als einen kleinen Kurzurlaub zu gestalten und hofften daher auf gutes Wetter. Das letzte Mal hatten wir in Bombuscaro ja Glück!
Leider war der Himmel aber ziemlich bewölkt als wir ankamen. Da es aber nicht regnete und auch recht warm war entschlossen wir uns doch, den ganzen Tag im Wald zu verbringen und stimmten zu, uns zusammen mit den beiden anderen im Wald beschäftigten Forschern erst in 6 Stunden wieder abholen zu lassen.
Kaum war diese Entscheidung jedoch getroffen und wir waren erst wenige hundert Meter in den Wald hineingelaufen, da fing es an zu regnen... war ja klar!
Da wir aber viel Zeit hatten, stellten wir uns in einer Hütte unter und tatsächlich war der Schauer auch nach wenigen Minuten wieder vorbei.
Danach machten wir uns dann auf zu den Plots und erledigten die wenige Arbeit des Tages.
Hier ein schönes Bild des örtlichen Waldes, sogar die Sonne blitzt durch die Blätter:

Nach wirklich nur ca 20 Minuten Arbeit war das Pflichtprogramm dann abgehakt und wir konnten unseren "Urlaub" genießen. Als erstes ging es die Treppen hoch zu den Cascadas (der Wasserfall von Bombuscaro):

Auf dem Weg kamen wir noch an einem besonders schön gewachsenen und recht großen Baum vorbei, der natürlich auch dokumentiert werden musste:

Und dann lag der Wasserfall vor uns. Ein wirklich schöner Anblick:

und auch reichlich mit Wasser gefüllt:

Schon bevor wir den Wasserfall erreichten gab es aber mehrere Hinweise, dass wir an diesem Tag keinesfalls alleine im Wald waren. Zunächst waren da die 6 Zelte, die wir am Eingangshäuschen des Parks passieren mussten. Und dann war der Wald auch die ganze Zeit von lauten Schreien erfüllt. Wir dachten erst, es wären Kopfjäger unterwegs...
Wie sich dann aber herausstellte war es nur eine ziemlich große Gruppe Kinder, die anscheinend so etwas wie ein Pfadfindercamp aufgeschlagen hatten und nun mit ihren Betreuern durch den Wald rannten. Wir trafen sie dann am Wasserfall, wo sie uns erst neugirig bestaunten und mit "Hello" begrüßten und dann schwimmen gingen. Wir haben uns dann lieber wieder verzogen, da so viel Trubel doch irgendwie dem Wald die Atmosphäre nimmt.

Deshalb machten wir uns lieber wieder auf zu unserem Paradiesplatz am Rio Bombuscaro, mit dem Ziel, die restlichen 4 Stunden mit faulem "in-der-Sonne-liegen" zu verbringen...

aber denkste! Kaum hatten wir uns auf die warmen Steine gesetzt, da begann es zu... na was wohl?.... genau! Zu schütten!!!!
Die Welt kann so ungerecht sein!
Und es regnete...

und regnete....

Gute 2 Stunden lang! Unsere einzige Chance dem Ganzen trocken zu entgehen war ein Felsvorsprung am Flussufer, unter den wir uns vorzogen und wo wir die lange Regenzeit mehr oder weniger geduldig ausharrten....

Doch dann nach schier endlosen Warten hatten die Wettergötter doch noch ein Einsehen mit uns und für die letzte Stunde am Fluss kam tatsächlich noch die Sonne heraus!

...die natürlich auch gleich genossen werden musste!

Danach hieß es dann aber schon wieder "auf zum geordneten Rückzug", denn das Stationsauto wartete. Wir wollten uns aber dabei extra viel Zeit lassen, um vielleicht doch noch etwas besonderes an unserem letzten Waldtag zu erspähen.
Zunächst war da die für Bombuscaro typische "Kussmundblume" am Wegesrand. Für dieses Foto hat sich Stephan, der diese schöne Blüte zu seiner neuen Lieblingsblume erkoren hat, ziemlich weit auf den Abhang vorgewagt. Francas einziges Kommentar: "Sei vorsichtig und fall nicht runter, du hast die Proben im Rucksack!".... Ja, hier sind die Prioritäten richtig verteilt...

Ganz zum Schluss fehlt natürlich wieder etwas. Das Tier des Tages! Und wie bereits berichtet waren wir dieses Mal besonders aufmerksam um auch ja niemanden zu übersehen. Deshalb zeigen wir ihnen hier nun auch gleich eine ganze Reihe von Tieren, die sich um den heiß begehrten Titel beworben haben!
Als erstes die kleine Mantis auf dem Hinweg am Wegesrand entdeckt! Wirklich gute Chancen, aber Kandidaten die zu früh auftreten können zu leicht noch überboten werden... nächstes Mal bitte besseres Timing:

Der kleine Käfer! Niedlich und rund, aber leider nicht sonderlich spektakulär! Ausbaufähig!

Ein Schmetterling, aufgenommen am Wasserfall! Sehr interessantes Muster und perfekte Rüsselhaltung! Eindeutig auch ein Kandidat für die nächste Runde!

Noch ein Schmetterling, diesmal am Fluss! Zeichnung auch hier wunderschön und sogar noch farbenprächtiger. Aber die Kooperation während des Shootings ließ zu wünschen übrig. Professionalität wird auch in die Bewertung mit einbezogen...

Während des Regens wagte dann auch ein kleinerer Kandidat einen Auftritt! Die für ihre Familie riesige Ameise (mehr als 1 cm)! Da aber ihre Artgenossen uns in unserem Unterstand eher auf die Nerven gingen wurde sie leider disqualifiziert. Niemand legt sich ungestraft mit der Jury an...

Auf den Steinen am Fluss präsentierte sich dann noch ein winziger Kandidat, kaum größer als die Ameise, aber wesentlich bunter. Der kleine Staphylinide wollte auch mal sein Glück versuchen, aber bei dieser Konkurrenz war er leider eher chancenlos!

Diese Zikade wollte erst garnicht selbst in Erscheinung treten und schickte statt dessen einfach ihre abgeworfene Häutungshülle. Zwar sehr nett, aber ein eindeutiger Täuschungsversuch! Disqualifiziert!!!!

Und dann kam nach dem Regen wieder ein Schmetterling, der sich auch gleich bei der Jury einzuschmeicheln versuchte, indem er besonderes Interesse an der Regenjacke von Stephan zeigte. Netter Versuch, aber wir sind nicht bestechlich....

Ein mehr als hektischer Kandidat kam dann noch unter den Steinen am Flussufer hervor. Eine Spinne, die gut getarnt, mit langen Beinen und einer sehr beachtlichen Geschwindigkeit durch die Gegend huschte! Ein wirklich aussichtsreicher Kandidat! Sie war ganz klar eine Runde weiter!

Doch dann bot der Urwald größere Geschütze auf! Wir verließen die Arthropoden und nun kamen die Vögel zum Zuge! Zunächst ein wirklich wunderschöner Kandidat mit langem Schnabel und herrlich buntem Gefieder! Er hatte mehr als nur gute Chancen und konnte sich schon fast auf den Titel freuen....

... doch ein anderer Vogel war noch etwas beeindruckender und beschäftigte uns zudem während der langen Wartezeit im Regen mit seinem Fischfang! Eine Art Reiher flog über dem Fluss auf und ab, setzte sich auf die Steine und stand in der reißenden Strömung! Leider war dieser Kandidat aber extrem kamerascheu und machte damit seine Chancen mehr als zu nichte. Man kann einem Publikum doch keinen Gewinner präsentieren, der sich nicht fotografieren lässt... Vielleicht können sie seine Umrisse in der Bildmitte noch erahnen:

Wir hatten unsere Suche nach dem perfekten Tier des Tages schon fast aufgegeben und waren bereit, dem schönen bunten Vogel oder der Mantis den Titel zu verleihen, als uns auf dem Rückweg noch eine letzte Idee kam.
In der Wand neben dem Fußweg waren immer wieder große Löcher, vielleicht versteckte sich unser Gewinner ja darin.... Stephan hatte zum Glück eine Taschenlampe dabei und so betätigten wir uns mit Kamera und einem langen Stock bewaffnet als Höhlenforscher....

Und tatsächlich. In einem besonders großen Loch konnten wir ganz am Ende etwas erspähen, das eindeutig Potenzial hatte! Lange Beine, gedrungener Körper... das sieht vielversprechend aus... nur rauskommen musste es noch!

und Stephan gelang dieses Kunststück dann auch! Er lockte den langbeinigen Kollegen mit einem Stock bis vor an die Öffnung ans Tageslicht...
Wir konnten es kaum fassen!
Hier war eindeutig unser Sieger!
Eine
Amblypygi (Geißelspinne)!!!!!
Der Körper war gut 4 cm lang und die dünnen Beine noch um einiges länger!
Ein wirklich würdiger Sieger, da hatte keiner der anderen, nichtmal die Vögel eine Chance!
Sehen sie selbst, das Gewinnerfoto:

So, das war er also, unser letzter Tag im Wald... und beendet mit einem wirklich spektakulären Tier, genau wie es sich gehört!
Die nächsten Tage werden wir mit Laborarbeit und Behördengängen in Loja verbringen! Natürlich werden wir auch davon berichten und vielleicht passieren ja auch dabei noch spannende Dinge!
Unglaublich aber wahr!
Bleiben sie dran, für mehr science in nature!